Am 10.10. um 11 Uhr hat unser Abenteuer begonnen. Die Fähre nach Marokko hat Tarifa mit uns an Bord verlassen.
Die erste Aufregung kam bei der Passkontrolle durch die Marokkanische Polizei - wir hatten keine Zieladresse in das Einreiseformular eingetragen. Die beiden Beamten hätten uns fast den Stempel (der allererste Stempel für uns beide überhaupt) verweigert. Wir konnten den Beamten davon überzeugen, dass wir ein Hotel buchen, sobald wir in Marokko Internet haben.

Runter vom Boot haben wir uns wirklich zu allererst eine Datenkarte gekauft, damit wir per WhatsApp wieder erreichbar waren und navigieren konnten. Unser erster Eindruck von Tanger - schön, sauber, nahezu europäisch. Planlos haben wir uns auf den Weg zum Bahnhof gemacht, jeder mit seinem Rucksack voll Klamotten auf dem Rücken... Es war warm.
Am Bahnhof angekommen, haben wir am Automaten nach der nächsten Zugverbindung geschaut und uns für Casablanca als erstes Ziel entschieden.

Abfahrt 14:00 - super pünktlich ging es auf den reservierten Plätzen im Al Burak los. Die Zugfahrt war für beide relativ entspannt, da sich keiner auf den Verkehr und das Autofahren konzentrieren musste... Leider war der Ausblick nicht immer eine Augenweide... Zum Teil lag an der Strecke entlang viel Müll und man konnte - vergleichbar mit Portugal, einige Wellblechhütten und abrissreife Häuser sehen, die bewohnt waren.
Nach 2 Stunden 10 Minuten waren wir punktgenau in Casablanca. Um uns einen weiteren Marsch mit Gepäck zu ersparen und weil wir noch nicht so mutig waren, uns ins marokkanische Getümmel zu stürzen, haben wir im Ibis am Bahnhof eingecheckt... Kurzer Weg, europäischer Standard - für die ersten beiden Nächte in einem fremden Land erstmal genau richtig.

Eingecheckt, abgestellt, frisch gemacht und raus in die Stadt. Keinem von uns war wirklich bewusst, wie groß und chaotisch Casablanca ist. Wir wollten gestern die Stadt auf eigene Faust erkunden. Nicht so einfach, wie es klingt. Das einzige, was an den Autos funktioniert ist die Hupe, das wichtigste Bauteil... Ansonsten fährt und rust hier rum, was bei uns zum Teil längst auf dem Schrottplatz steht. Die Abgase stehen teilweise regelrecht in den Straßenschluchten der Stadt.
Auf unserem Weg in die "Altstadt" sind wir irgendwo falsch abgebogen und standen plötzlich mitten auf einem der vielen Basare. Hier wird alles verkauft, was man braucht oder auch nicht... Und das unter widrigsten Umständen, inmitten von Müll, Dreck und Abgasen. Die LKWs, meterhoch mit Kartons und Stoffballen beladen, fahren zum Teil in die Markthallen und Lagerhäuser hinein. Unvorstellbar.
Ein echter Kulturschock... In Deutschland trennen wir den Müll, verbieten Verbrenner und retten damit die Welt? Eher nicht, wenn es außerhalb unseres Landes so zugeht.
- Geschrieben von: Michaela Willacker-Papp
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